
25.2.2010
Das ist das weitestgehende Konzept, das ich bisher gesehen habe.“ Das Lob kam von kompetenter Seite: Monika Reule, die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts in Mainz, war bei der letzten von neun Bezirksversammlungen in Heilbronn, um den Wengertern klar zu machen, warum die Gemeinschaftswerbung „unverzichtbar“ ist. Sie erlebte, dass man im viertgrößten Anbaugebiet in Deutschland mit der EU-Weinmarktreform, ihren neuen Bezeichnungsrecht-Möglichkeiten (wir berichteten) und neuen Fördermöglichkeiten konstruktiv umgeht. Präsident Hermann Hohl zeigte sich „optimistischer“ im Blick auf den geforderten Erhalt des Anbaustopps über 2015 hinaus. Er mahnte aber auch Hausaufgaben bei (vom Land mit EU-Mitteln geförderten) Kooperationen und Fusionen an: „Die optimale Betriebsgröße beginnt bei Genossenschaften ab 400 ha Rebfläche.“ In den Räumen der Genossenschaftskellerei sah man Kopfnicken.
Anders als bei den acht vorangegangenen Bezirksversammlungen zwischen Taubertal und Region Stuttgart waren auch neue regionale Bezeichnungen kein „Reizthema“. Bezirksvorsitzender Ulrich Drautz appellierte vielmehr an die Betriebe: „Wir brauchen ein gemeinsames Preisgestaltungskonzept statt ständige Unterbietung.“ Er wollte auch wissen: „Warum sollen Wengerter eine Abgabe für das Weininstitut bezahlen?“ Und gab die Antwort selbst: „Im Zeitalter der Globalisierung müssen Marktanteile täglich neu erkämpft werden.“ Monika Reule untermauerte das mit der Leistungsbilanz des DWI. 2010 stehen die Themen „Wein und Kultur“ sowie Export im Mittelpunkt der Marketingeinrichtung, deren 10,9-Millionen-Etat durch Klagen gegen die Abgabe teilweise blockiert ist. Asien-Aktivitäten sind schon gestrichen. Reule setzte gezielt nach: „Wollen Sie auf die Deutsche Weinkönigin verzichten?" Keiner sagte „Ja“. Präsident Hohl gab die Richtung vor: „Wir wollen auf das DWI nicht verzichten.“
Die Präsentation mit den wichtigsten Aussagen von Württembergs Weinbauverbands-Präsident Hermann Hohl bei den Bezirksversammlungen zum Nachlesen. Download (.pdf)
Gewinn für alle Unter dem Titel „Chance nutzen“ schrieb Kilian Krauth in der Heilbronner Stimme zu den Bezirksversammlungen unter anderem: „Die Reform des Bezeichnungsrechtes ist auf den ersten Blick verwirrend, letztlich aber überfällig … In anderen Weinbauländern ist man weiter. Jeder ambitionierte Japaner weiß deshalb, was Bordeaux heißt, jeder einigermaßen bewanderte Amerikaner kann mit Chianti und Burgunder etwas anfangen ... Eben diese Systematik strebt auch der Weinbauverband an ... In Verbindung mit Rebsorten und strengeren Produktionsbedingungen sollen Regionalbegriffe zu Marken werden, die am Ende dem Verbraucher am Regal die Kaufentscheidung erleichtern. Und das zählt letztlich, wenn man vom Wein leben muss ... Die Etikettenfrage fällt in eine Zeit, in der sich auch bei den Wengertern die Spreu vom Weizen trennt. Konkurrenzdruck und Dumpingware drücken die Erlöse, gleichzeitig steigen die Kosten für Energie, Personal und nicht zuletzt für immer größer gewordene Sortimente. Weniger Produkte können mehr sein. Der Kreis schließt sich. Sollte die Reform tatsächlich zur Entrümpelung und zu mehr Klarheit führen, wäre sie ein Gewinn für alle.“

Monika Reule bei der Bezirksversammlung in Heilbronn