
6.2.2010
Im Zentrum des Württemberger Weinbaus, in Weinsberg, hat der Weinbauverband Württemberg e.V. seinen Sitz gleich neben der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt. Im Saal des Verbandsgebäudes verkosten Kommissionen für die Landesprämierung für Wein und Sekte die Ersten des den neuen Jahrgangs.
Einen Stock tiefer gibt Direktor Karl Heinz Hirsch am Telefon sein Fachwissen weiter. Sekretärin Angelika Schild versendet eine Rund-Mail. Barbara Bader hat die Finanzen im Blick. In der Bücherei blättert eine Studentin in historischen Unterlagen. Christian Seybold verwaltet die Rebenselektion. Im „Keller“ nehmen Brigitte Hermann und Renate Greinig Weine an für die von Alfred Weiberle gemanagte Qualitätswein- und Schaumweinprüfung. Die Organisation und Durchführung wurde dem Weinbauverband Württemberg vom Ministerium übertragen.
Rund 15.000 Weine werden im Jahr auf QbA-Fähigkeit geprüft. Im Weinlager stellt Karl Heinz Vollert die Probenreihenfolge für die Landesprämierung und dazwischen ein Päckchen für ein zu ehrendes Mitglied zusammen. Mit dem der Preisverleihung folgenden Gipfeltreffen prämierter Württemberger Weine und Sekte hat der Verband eine Veranstaltung mit besonderer Öffentlichkeitswirkung. Im Kellerstübchen ist an diesem Tag Ruhe. Dort werden ab und zu wichtige weinbaupolitische Weichen gestellt. Die 1825 gegründete und seit 1964 als „Weinbauverband Württemberg e.V." firmierende berufsständische und weinbaupolitische Vertretung der Weinerzeuger Württembergs gestaltet in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und anderen Organisationen Gegenwart und Zukunft des einheimischen Weinbaus.
Am 19. Mai 2006 haben sich die Mitglieder einstimmig „Leitlinien“ für Vermarktung, Produktion, Qualität und Kommunikation gegeben. Welches Gewicht ihnen der Verband gibt, zeigt sich auch daran, dass er sie ständig auf der Titelseite des Internet-Auftrittes (www.weinbauverband-wuerttemberg.de) verfügbar hat. Präsident Hermann Hohl: „Die Welt um uns hat sich verändert. Vieles müssen wir neu anpacken.“
Das viertgrößte Anbaugebiet Deutschlands, das in der „Südschiene“ eng mit den Nachbarn Baden und Franken zusammenarbeitet, hat schon Zeichen gesetzt. Mit der Wiederbelebung der Württemberger Weinstraße 2004 gingen Marketing-Maßnahmen unter dem Motto „Wein und Tourismus“ einher: die mit DEHOGA und Baden gebildete Arbeitsgemeinschaft „Haus der Baden-Württemberger Weine“ mit der Auslobung der „Weine des Monats“, Tage der offenen Keller, die seit 2009 als Württemberger Weinfrühling beworben werden, eine aufgewertete Gala zu Wahl der Württemberger Weinkönigin. Zeitgemäße Kommunikationsformen, Pressekontakte zu verschiedenen Themen, Informationsreisen unter anderem für die jeweils neue Deutsche Weinkönigin, die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Weininstitut gehören dazu.
Mit der vom Weinbauverband initiierten Neuorganisation der Weininstitut Württemberg GmbH als Gesellschaft aller Weinbaugruppierungen in Württemberg wurden Voraussetzungen für eine gemeinsame Veranstaltungsoffensive, verstärktes Engagement im Bereich Weintourismus mit Zertifizierung von Weinfesten und Besenwirtschaften sowie eine einheitliche Sortenprofilierung geschaffen. Das Weinexportkontor bewegt sich in neuen Absatzmärkten. Im Mittelpunkt der Verbandsarbeit steht das Mitglied. Der Weinbauverband bietet Lehrfahrten, Hilfe in Rechts-, Buchführungs- und Steuerfragen, Tarif- und Arbeitsrecht an. Der Verband hat aktuell 15.880 Mitglieder – direkte, fördernde und die meisten über Genossenschaften. Sie bewirtschaften 95 Prozent der Württemberger Rebfläche.
Im „operativen“ Geschäft müssen regelmäßig 497 Betriebe und sonstige Mitglieder angesprochen werden. Das geht über Rebe & Wein, Internet, aber auch über die Mitgliederversammlung, neun Bezirksversammlungen, sieben Arbeitsgruppen für Themen wie Umwelt, Ausbildung, Technik, Marketing und mehr, 23 Weinbauarbeitskreise sowie Weinbauvereine mit einem vielfältigen Vortragsangebot.
Gerhard Schwinghammer