Juliane Nägele ist neue
Württemberger Weinkönigin
Weinbau-Präsident Hermann Hohl, umrahmt von den neuen Hoheiten: Die Württemberger Weinkönigin 2009/2010 heißt Juliane Nägele (22, im Bild links) und kommt aus Hessigheim (Landkreis Ludwigsburg). Als Weinprinzessin wird ihr Sandra Weber (21) aus Nordheim (Landkreis Heilbronn) zur Seite stehen.

News

6.2.2010

Verbandspräsident Hermann Hohl: „Wir brauchen die Bündelung der Kräfte“

Die weinbaupolitische Weichenstellung unter europäischen Maßgaben, die Schaffung wettbewerbsfähiger Strukturen in Württemberg, die Profilierung der Traditionssorten des Anbaugebietes, die ständige Qualitätssteigerung und Weiterbildung sowie das klare Bekenntnis zu den Marketingaufgaben des Deutschen Weininstitutes gehören für Hermann Hohl, den Präsidenten des Weinbauverbandes Württemberg zu den zentralen Themen des Jahres 2010. Im Gespräch mit Rebe & Wein erläutert er Perspektiven.

Warum ist 2010 für die Weinwirtschaft so wichtig?

Hohl: In diesem Jahr werden wichtige Weichen für die Zukunft unserer Branche und unserer Wengerter gestellt. Wer jetzt nicht die richtigen Entscheidungen trifft, wird es in Zukunft schwer haben, im hart umkämpften Markt zu bestehen.

Was ist zu tun?

Hohl: An erster Stelle steht die Qualität. Wir wissen aus Marktuntersuchungen, dass damit auch wirtschaftlicher Erfolg verbunden ist. Deshalb werden wir in diesem Jahr unter anderem das Profil für unsere wichtigste Sorte, den Trollinger, vorstellen. Mit ihm haben wir weltweit ein Alleinstellungsmerkmal, das genutzt werden muss, wenn wir der nächsten Generation eine Chance geben wollen.

Württemberger als Marke – welche Möglichkeiten gibt es neben Sortenprofilen?

Hohl: Mit geschützten Ursprungsbezeichnungen nach dem neuen EU-Recht können wir uns von anderen Angeboten abgrenzen und unseren regionalen Qualitätsanspruch verdeutlichen. Deshalb gilt es, diese neuen bezeichnungsrechtlichen Chancen sinnvoll zu nutzen, um über regionale Marken wie Landschaften oder besondere Lagennamen auch den Weintourismus zu fördern. Ich habe den Eindruck, dass diese Chancen der EU-Weinmarktreform noch nicht überall erkannt werden.

Globaler Wettbewerb, steigende Kosten, sinkende Erträge – wie lässt sich das ins Positive umdrehen?

Hohl: Das hat zwei Seiten. Einmal: Wer seine eigene Qualität unter Wert verkauft, hat vielleicht leere Keller, aber keine volle Kassen. Zum anderen: Kosten, die wir selbst verursachen, können wir nicht anderen, auch nicht dem Kunden anlasten. Deshalb müssen wir Einspar- und Fördermöglichkeiten selbst erkennen und nutzen. Dazu gehört auch die weitere Bündelung der Kräfte im Genossenschafts-, aber vermehrt auch im Privatvermarkter-Bereich. Positive Beispiele gibt es schon in einzelnen Regionen.

Was braucht es noch?

Hohl: Gemeinschaftswerbung für den Württemberger und den Deutschen Wein. In Württemberg haben wir mit dem Weininstitut und der freiwilligen Weinwerbung der Genossenschaften ideale Voraussetzungen. Ich kann nur appellieren, weiter zusammenzurücken. Wer einseitig seinen finanziellen Vorteil sucht, schadet allen und damit auch sich selbst. Das gilt auch national und international: Wer unser Marketing-Instrument DWI aus egoistischen Motiven sterben lässt, unterstützt das Geschäft unserer global handelnden Wettbewerber. Wenn wir dem Ausland, und das beginnt an unseren Anbaugebiets-Grenzen, den Werbe-Markt überlassen, werden wir letztlich Opfer unserer eigenen Weinmengen.

Der Blick über die Grenzen – ist er auch sonst wichtig?

Hohl: Unsere junge Wengerter-Generation ist ja schon sehr weltgewandt, macht sich international schlau. Das ist gut so. Draußen passiert derzeit viel, was direkte Folgen für jeden Betrieb hat. Nur wer den anderen kennt, kann seine eigenen Strategien darauf einstellen. Da haben wir noch Nachholbedarf. Deshalb macht ja auch der Verband seine Studienreisen.

Welche Perspektiven können Sie Ihren Mitgliedern sonst noch geben?

Hohl: Ständige Beratung ist eine unserer Hauptaufgaben als Verband. Der Rat muss aber auch gehört werden. Dazu gehört auch die offensive Nutzung des mit den Verbänden abgestimmten Struktur- und Qualitätsprogrammes Baden-Württemberg der Landesregierung. Bei der Umstellung von Rebflächen, der Absatzförderung auf Drittmärkten, Investitionen in Qualität und Innovation sowie im Zusammenhang mit Fusionen oder Kooperationen gibt es hier viele sinnvolle Fördermöglichkeiten. Und noch etwas: Der Verband gibt Anregungen und Hilfe, weist vorausschauend auf Entwicklungen hin. Er macht aber nicht den Markt. Im Keller, an der Verkaufstheke und im Regal sind die Betriebe gefordert.

Wie steht es um die Zukunft der Landesweinprämierung?

Ich weiß, dass hier immer wieder die Menge der Anstellungen und Auszeichnungen kritisiert wird. Aber nur wer sich diesem breit angelegten Wettbewerb im eigenen Gebiet stellt, kann auf die Dauer auch darüber hinaus bestehen. Solche objektive, verdeckte Leistungsvergleiche fördern das Qualitätsniveau. Für uns ist das nach wie vor und auch im 52. Jahr der zentrale Qualitätswettbewerb für das Anbaugebiet. Die Kennzeichnung auf der Flasche ist bei der Einkaufsentscheidung eine wichtige Orientierungshilfe für den Verbraucher. Sie sollte auch von den Betrieben genutzt werden. Was wir von der Geschäftemacherei anderer Verkostungs-Veranstalter zu halten haben, haben wir 2009 mehrfach erlebt.

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