
20.12.2009
Württemberger Eiswein ist in den Nächten von Freitag (18. Dezember 2009) bis Sonntag (20. Dezember 2009) gelesen worden. Inzwischen liegen viele Ergebnisse vor.
GenossenschaftenViele Weinbauern haben die Gunst der Stunde genutzt, etwa die Fellbacher Weingärtner (Rems-Murr-Kreis). Etwa 200 Liter Riesling mit 175 Grad Oechsle haben sie in eineinhalb Stunden bei -11 Grad aus der Lage Lämmler eingefahren. Damit kann der neue Eiswein nicht ganz an die Qualität des Eisweins vom Januar mit 207 Grad Oechsle anknüpfen. Fellbacb hat damit den zweiten Eiswein in diesem Jahr gelesen. Am 9. Januar 2009 wurden die letzten Trauben des Jahrgangs 2008 geholt - der Riesling mit dem Rekordergebnis von 207 ° Oechsle. Die Nacht vom 17. auf 18. Dezember 2009 brachte im Raum Heilbronn schon um 24.00 Uhr Minustemperaturen zwischen 6 und 7° C. Gegen Morgen sackten sie weiter ab. Bei derGenossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg konnten Eisweintrauben in den Betrieben Bendel (Weinsberg) und Wiesenauer (Heilbronn) bei Temperaturen um -10° C gelesen werden. Insgesamt 250 Liter Eiswein wurden mit einem Mostgewicht von 175° Öchsle ausgepresst. Da staunte selbst die neue amtierende Württembergische Weinprinzessin, die in der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg in der Verwaltung arbeitet, nicht schlecht. Kellermeister Arne Maier zeigte sich sehr zufrieden. Er wird den Eiswein des Jahrgangs 2009 Anfang des Jahres 2010 präsentieren. Auf 202 Grad Oechsle kamen die Heuchelberg Weingärtner in Schwaigern. Die Weingärtnergenossenschaft Heuholz erzielte mit Riesling 197 Grad, 185 Grad erzielt die WG Eberstadt.Als Geschäftsführer Dieter L. Schnitzius von der Weingärtnergenossenschaft (WG) Heuholz vor zehn Jahren in der Lage Dachsteiger mit der Eisweinlese begann, waren „zehn Riesling-Eisweine in Folge“ sein erklärtes Ziel. Am Freitag hat er dieses Ziel erreicht. Die WG Cleebron-Gügligen hat einen Riesling mit 200 Grad Oechsle.
VDP-WeingüterAm Morgen des 18.12. wurde im Weingut Graf Adelmann eine der seltenen alten Sorten Württembergs als Eiswein eingebracht: 250 Liter Kleinbottwarer Oberer Berg Muskattrollinger mit 140 Ggrad Oechsle, gelesen bei 11 Grad minus. Es ist im Weingut der dritte Eiswein der roten Muskatellervariante, die um 1900 ihr letztes reservat auf Burg Schaubeck gefunden hatte. DasStaatsweingut Weinsberg hat am 18. Dezember bei minus 11°Celsius und beginnendem Sonnenaufgang die gefrorenen Riesling-Trauben eingesammelt. Bereits ab 8 Uhr lief der Most mit 184° Oechsle von der Presse. Auch die VDP-Weingüter Gerhard Aldinger, Karl Haidle (Riesling 210 Grad), Jürgen Ellwanger (Riesling 190 Grad) und Drautz-Able (Riesling 270 Grad) waren auf Eiswein-Lese. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und wollen an einem der nächsten Morgen raus“, sagt Betriebsleiter Siegfried Röll vom Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen. Er will noch etwas um weitere Minusgrade pokern. Rund 20 Ar Riesling-Trauben hängen in der fürstlichen Alleinlage Verrenberger Verrenberg in den Netzen. Gut für etwa 200 Liter Eiswein. Weitere Meldungen:Amalienhof (252 Grad Riesling), Schiefer Lauffen (224 Grad)
Weingüter
Das Heilbronner Weingut Albrecht-Gurrath meldete der Heilbronner Stimme einen Eiswein mit genau 222 Grad Oechsle. 185 Grad erreichte das Weingut Kurz-Wagner (Talheim) . Das Thermometer in Obersulm-Eschenau zeigte -18°C, als man im Weingut Gruber die weiße Traubensorte Johanniter (Kreuzung aus Riesling, Ruländer, Gutedel und Seyve-Villard) mit einem Mostgewicht von 252° Oechsle geholt hat. Nach seiner Eiswein-Premiere mit Schwarzriesling im Vorjahr ging Markus Busch aus Dimbach am Samstagmorgen raus, um dieses Mal auf etwa fünf Ar Riesling zu lesen.
WeinkellereienEinen Lemberger-Weißherbst-Eiswein mit 220 Grad hat die Weinkellerei Wangler in Abstatt eingebracht.
Stichwort EisweinEiswein entsteht aus überreifen Weintrauben, die bei einer Temperatur von mindestens minus sieben Grad gelesen werden. Er ist besonders süß, weil ein großer Teil des Wassers in den gefrorenen Früchten zurückbleibt und der Zuckergehalt sehr hoch ist. Von der Presse tropft nur der zuckersüße Saft. Entsprechend gering ist die Ausbeute. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Erntemenge finden sich später als Eiswein in der Flasche wieder. Lange Zeit waren Deutschland und Österreich die einzigen Länder, in denen Eiswein hergestellt wurde. Seit 1975 produziert auch Kanada den teuren Wein. Auf das Geheimnis des Eisweines sind Winzer angeblich im Jahr 1830 in der rheinhessischen Gemeinde Bingen-Dromersheim gestoßen. Als die Bauern in dem schlechten Weinjahr die nicht geernteten Trauben an das Vieh verfüttern wollten, merkten sie, dass diese mit einem süßen Saft mit hohen Öchslegraden gefüllt waren.
Quelle: Betriebe/lsw/MLR/VDP/Heilbronner Stimme

Das neue Vorstandsteam in Fellbach bei der Lese: von links Vorstandsvorsitzender Thomas Seibold, Vorstand Marc Jäger und stellvertretender Vorstand Gert Seibold Foto: Fellbacher Weingärtner
Heilbronns WG-Geschäftsführer Karl Seiter und Vorstandsmitglied Justin Kircher strahlen nach der Eiswein-Pressung mit Weinprinzessin Sandra Weber um die Wette. Foto: WG Heilbronn

Mit Schneehütchen präsentierten sich am frühen Morgen die Johanniter-Trauben im Weinberg des Eschenauer Weingutes Gruber. Die Flaschen-„Kusntwerk“ erinnert an die Eiswein-Vorgänger.
